(Rheinische Post - 29.03.2001)
Kirchenkonzert
Lebendig und warm
LEICHLINGEN (RP). So wenig Besucher hat noch nie ein Konzert aus der Reihe Tonkunst in die Pfarrkirche St. Johannes Baptist gelockt. Aber wer gekommen war, der wurde belohnt mit lebendiger Musik und angenehm warmem Sound. Nur 13 Sängerinnen und Sänger zählt das Vocalensemble Udin d'Art aus Odenthal. Aber die Stimmen sind im Verhältnis ausgewogen. Zudem ist der Chor auf halbprofessionellem Niveau hellwach und lässt sich bereitwillig formen nach den Vorstellungen von Chorleiter Thomas Kladeck, Regionalkantor des Rheinisch-Bergischen Kreises.
Samtweich eröffnet
Von der Renaissance bis in die Moderne spannten die Sänger ihr Programm. Es waren vor allem nachdenkliche und meditative Texte, die hier auf unterschiedliche Weise in Musik geformt wurden. Samtweich ineinander geschmiegt eröffnete man mit William Byrds "Justorum animae". Mehr als auf Textverständlichkeit kam es hier auf die wohltuende Stimmung an, die erzeugt wurde. Schmerzhaft ließen dagegen die reibenden, nach Auflösung schreienden Harmonien Davids verzweifelte Trauer über den Tod seines Sohnes Absalom nachempfinden. Von Byrds Zeitgenossen Thomas Tomkins stammt dieses eindrucksvoll vorgetragene "When David heard".
Gesten der Umarmung
Viel Wert auf liedhafte Züge und große dynamische Unterschiede legten Kladeck und sein Ensemble auf Werke der Romantik und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Im Opus 92 von Heinrich von Herzogenberg etwa wurden die Worte "Selig sind die da Leid tragen" direkt in Musik übersetzt. Wie Gesten der Umarmung setzen die Stimmen fort: "...denn sie sollen getröstet werden". Der Reiz von knackiger Rhythmik und irritierenden Synkopen, den Stilmitteln der Moderne, nutzte Udin d'Art schließlich bei "Cantate Domino" von Vytautas Miskinis.
Zwischen die Vokal-Blöcke setzte Kantorin Pia Gensler-Schäfer Orgelstücke zur Passionszeit. Düstere Wirkung schaffte sie mit Cesar Francks Choral a-Moll, nicht ohne zuversichtliche Ausblicke am Ende zu geben. Vitales, vorwärts drängendes Spiel packte die Hörer nach der groß angelegten Einleitung von Felix Mendelssohn-Bartholdys Sonate Nr. 3 in A-Dur. Für die Partita "Ach wie nichtig, ach wie flüchtig" wechselte die Organistin an die kleine Truhenorgel im Altarraum. Die acht Teile in wechselndem Charakter profitierten von den schönen Registerfarben, die das neue Instrument zu bieten hat.